Vor ein paar Tagen musste ich ein bestimmtes Gebäude in der Gemeinde Köniz bei Bern aufsuchen. Es handelt sich um die dortige Polizei- und Feuerwache, die mich bereits wenige Tage zuvor beschäftigt hatte. An der Fassade bemerkte ich nämlich den etwas verwirrenden Text:
Klingt irgendwie Hochdeutsch (was für diese Gegend schon ungewöhnlich wäre), gleichzeitig jedoch wie ein Berndeutsches Wortesammelsurium. Allerdings ergibt es weder in der einen noch in der anderen Sprache auf Anhieb wirklich Sinn.
Zum Glück habe ich viele gute Facebookfreunde, die mich darauf hinwiesen, dass es sich um Kunst am Bau und um ein in Stein gemeisseltes Wortspiel handelt.
Aber warum war ich nun in diesem Haus? Was wollte ich von der Polizei in Köniz? Nix. Aber von deren Fundbüro, das sich im selbem Gebäudekomplex befindet. Da habe ich nämlich gefragt, ob vielleicht mein Galaxy S4 abgegeben wurde (du erinnerst dich, das habe ich vor ein paar Wochen spektakulär verloren). Die Antwort lautete: Leider nein. (Zum Glück lassen sich die dortigen Beamten nicht von der Kunst am Bau inspirieren und sagen sowas Kurioses wie “Leineinder.”)
Also bin ich weiter “gezwungen”, mein FF-Handy zu benutzen. “FF-Handy, was ist das denn nun wieder”, höre ich dich schon fragen, “ein Follow-Friday-Handy, das keine Anrufe oder SMS, sondern nur noch Tweets absenden kann?” Nein, FF steht in dem Fall einfach für Firefox OS. Wie Googles Android ist dies ein Linux-basiertes Betriebssystem für Mobile Devices, nur halt – anders.
Und hier sind meine Erfahrungen nach etwa 3 Wochen mit diesem Betriebssystem. Bzw. mit dem Handymodell ZTE OPEN:
- Dieser Testbericht im Nachrichtenmagazin SPIEGEL ONLINE trifft voll zu. Wenn du diesen Blog hier blöd findest, kannst du also auch da drüben weiterlesen.
- Allerdings erfährst du hier noch ein bisschen mehr. Also bleib hier.
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Auf den ersten Blick sieht alles ganz “normal” aus, also so, wie man es von Android und iOS auch gewohnt ist: ein Haufen gleichgrosser App-Icons, ordentlich nebeneinander angeordnet auf diversen Home-Screens, zwischen denen man via einem Multi-Touch-Screen hin- und herwischen kann. Und es gibt auch einen “Marketplace”, von dem man alle Apps (und so) beziehen kann.
- NACHTEIL:
Es gibt noch nicht so viele Apps wie für iOS oder Android. Ist logisch, wenn eine Plattform neu ist. Wird sich bei Firefox aber auch wohl nicht so bald ändern, mangels Marktdurchdringung. Und Mozilla-Produkte sind – nach meiner Erfahrung – nicht unbedingt die tollsten Usability-Erfahrungen für uns Nutzer (ich z. B. hasse das Tab-Handling Firefox-Browser für Mobile Devices). - (KEIN NACHTEIL, DENN DA KANN DAS BETRIEBSSYSTEM NICHT DIREKT WAS FÜR):
So lange es keine Apps gibt, kommt so ein Betriebssystem auch nicht auf die Flagschiffe der Handyhersteller, sondern erstmal nur auf Billiggeräte. Das ZTE OPEN gehört zu dieser Kategorie: Es kostet neu nur etwa 80.- Euro, und dafür bekommt man einen lahmen Prozessor, ein unterdurchschnittlich aufgelöstes Display und vor allem ein absolut ungenaues Touch Display. Fürchterliche Sache. Diesen Text hier zum Beispiel habe ich auf dem ZTE OPEN geschrieben – aber schon vorvorletzte Woche angefangen und bin immer noch nicht fertig. - GAR KEIN -TEIL, SONDERN IST EINFACH SO:
Alle Apps, die es gibt, sind eigentlich gar keine Apps, sondern HTML5-basierte Webseiten bzw. Webapps. Frag mich nicht, was genau der Unterschied ist, ich weiss es doch auch nicht. Deswegen weiss ich auch nie, ob eine “App” nun lokal installiert ist oder nur ein Bookmark auf meinen Home Screens. Ergo weiss ich auch nicht, was ich jederzeit tun kann und welche Apps hingegen nur vollumfänglich verwendbar sind, wenn mein Handy online ist. - VOR- UND NACHTEIL:
Eins weiss ich aber: Das Handy selbst hat nur einen “Home”-, jedoch keinen “Zurück”-Button. Auf Android-basierten Geräten ist der Back-Button immer als Hardware implementiert. Aber Firefox OS folgt hier offenbar der iOS-Maxime, wonach die Apps selbst eine ordentliche Navigation zwischen den einzelnen Seiten bzw. Eingabemasken/Screens bereitstellen müssen. Da das aber heutzutage bei vielen Webseiten noch nicht der Fall ist, bin ich mit dem Firefox-Handy gern mal “lost in hyperspace” und weiss jetzt, mit welchen Optimierungskonzepten ich mich demnächst mal beschäftigen könnte: m.sbb.ch - VORTEIL:
Das ZTE OPEN kann auch als Wifi-Hotspot verwendet werden. Und das Beste daran: Es wird dabei nicht so verdammt heiss wie früher meie Samsung Galaxy S4. Das liess mich seine glühende Leidenschaft für IP-Adressenverwaltung und Datenpaketweiterleitung gern direkt spüren, meist direkt im Hosenbeutel.
Dass sich das ZTE-Handy nach einem Reboot erinnert, ob es vor dem Neustart im Tethering-Modus war, und diesen dann entsprechend wieder anschaltet, empfinde ich aktuell als vorteilhaft (weil es sich einfach noch vergleichsweise oft aufhängt). Bei Leuten, die exakt auf ihr Datenvolumen achten müssen, löst dies vielleicht weniger Begeisterung aus. - NACHTEIL:
Meine Update-Versuche mit dem ZTE OPEN – leider nicht von Erfolg gekrönt. Vorteil: Endlich kann ich mal wieder Linux-Fehlermeldungen interpretieren.
Die Tastatur ist eine Seuche. Die Tasten zu klein, zu ungenau, und inzwischen habe sogar ich es aufgegeben, in meinen SMS noch auf 100% korrekte Rechtschreibung zu achten. Also, ich achte schon darauf, korrigiere aber zum Teil nicht mehr, weil mich das – mit dieser Tastatur jedenfalls – in den Wahnsinn treiben würde.
Inzwischen bin ich so verzweifelt, dass ich sogar schon von Firefox OS 1.0 auf Version 1.1 upgraden wollte. Trotz guter Anleitungen im Interwebz bin ich bisher aber an undokumentierten Fehlermeldungen gescheitert. - NACHNACHNACHNACHTEIL:
Firefox OS kann (ja, du wirst es lesen und erst nicht glauben) KEIN Copy&Paste. Nix hier mit Texten kopieren und woanders einfügen, z. B. URLs interessanter Webseiten aus dem Browser nehmen und per SMS, auf Twitter oder WhatsApp weiterverbreiten. Trotz Highend-Internet-Kommunikationsmaschine ist man quasi von der Aussenwelt abgeschnnitten. - NACHTEIL:
Screenshots kann das ZTE auch nicht. Also, vielleicht kann es die. Aber wenn, dann weiss ich nicht, wie es geht. Bisher war ich noch zu faul, das zu googlen. Also wundere dich bitte nicht, dass du in diesem Post Bilder vom ZTE findest, die ich mit einer weiteren Kamera aufgenommen habe. - NACHTEIL:
Apropos WhatsApp: Man kann nicht whatsappen! WhatsApp will Firefox vorerst wohl auch nicht unterstützen. - VORTEIL:
Man kann nicht whatsappen! Endlich kann man dem Herdentrieb gar nicht mehr nachgeben und seine gesamte zwischenmenschliche Kommunikation eben nicht über diesen unsicheren, datenfressenden Dienst absolvieren.
(Editorial: Ha, von wegen. Da hat sich doch tatsächlich die Firma JustApps4All, gefunden, die unbedingt einen WhatsApp-Client für Firefox OS anbieten will. Im Moment ist man in der Betaphase und aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass dieser Client erstaunlich gut, stabil und featurereich läuft, also inkl. Bilderversand und sowas.)
Mein Gott, ist der Text jetzt schon lang geworden. Dabei hätte ich noch viel mehr zu berichten über das Firefox-OS-Natel, aber leider habe ich mich am Anfang dieses Posts ja in der unwichtigen Geschichte über Kunst am Bau der Feuerwache Köniz verzettelt. Und jetzt muss ich langsam meine Geburtstagsparty für Mitte Februar vorbereiten (die diesmal nicht bei mir zu Hause stattfinden wird, sondern – im Internet!). Deshalb mehr Details ein andermal.
Heute kann ich aber schon mal als Zwischenfazit festhalten: Ich vermisse mein Samsung Galaxy S4 mit Android 4.2 nicht wirklich. Und wenn Firefox OS mal auf einem hochwertigeren und leistungsfähigeren Handy rauskommen sollte, dann würde ich mir dies Modell auch zulegen. Wenn du was weisst – kannst es mir ja zum Geburtstag schenken.